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Samstag, 4. Oktober 2008
Abenteuer Russland - 8. Tag
Samstag, der 04. Oktober 2008:
Heute ist wieder Abreise. Es geht über Moskau wieder zurück nach Deutschland.
Das Taxi ist auf 10:00 Uhr bestellt. Veronika will unbedingt noch für eine Stunde auf den Basar. Ich streike! Die Hektik tue ich mir beim besten Willen nicht an. Sie bittet mich, ihre Sachen in ihrem Zimmer zusammen zu räumen und in ihrem Koffer zu verfrachten, damit sie den Basar noch zeitlich schafft und bis 10:00 Uhr wieder am Hotel zur Abfahrt ist. Mir bleibt nichts anderes übrig, da sie einfach verschwindet und ihre Sachen schlicht nicht gepackt sind. Ich beschliesse, pünktlich mit dem Taxi zum Flughafen aufzubrechen und hoffe, daß sie bis dahin wieder im Hotel ist. Zweifel bleiben, bis ich sie eine Minute vor der Taxi-Abfahrt wieder im Hotel eintreffen sehe. Glück gehabt.
Für das Taxi bis zum Flughafen in Mineralnyje Wody zahlen wir nunmehr 300 Rubel - gerade mal halbsoviel wie auf der Hinfahrt.
Die Passkontrolle am Flughafen verläuft Gott sei Dank ohne weitere Vorkommnisse. Bald sitzen wir im Flugzeug in Richtung Moskau. Ich denke an die schöne Woche im Kaukasus zurück.
In Moskau haben wir nun noch einen Zwischenaufenthalt von 7 Stunden. Wir beschliessen, die Zeit nicht am Flughafen zu vergeuden, sondern nochmal in die Moskauer City zu fahren, um dort noch eine Schifffahrt auf der Moskva zu unternehmen.
Leider müssen wir dort angekommen feststellen, daß heute keine Schifffahrt mehr stattfindet. Schade! Wir essen noch einen Bliny und später zum Abschluß nochmals in unserem Lieblingslokal "Muh Muh".
Trotz eigentlich ausreichend zeitlichem Puffer bekomme ich auf den letzten Drücker nochmals einen gehörigen Adrenalin-Schub versetzt. Der Bus, den wir zurück zum Flughafen nehmen, fährt länger als erwartet und die Ankunftszeit ist dermassen knapp geworden, daß wir fast den spätesten Eincheck-Termin zu verpassen drohen. Nachdem sich Veronika im Bus erkundigt hat, springt sie spontan bei der nächsten Haltestelle aus dem Bus. Ich kann garnicht so schnell schauen, schnappe ebenfalls meine Sachen und wir stehen einige Sekunden später in völliger Dunkelheit am Rande einer autobahnähnlichen Schnellstraße. Unser Bus ist weg und wir haben nur noch 20 Minuten bis zum Einchecken. Klasse! Ich fühle mich wie in einem schlechten Film. Darf das wahr sein? Per Anhalter möchte Veronika die Zeit wett machen und hofft darauf, noch rechtzeitig irgendwie zum Flughafen zu kommen.
Nach einigen Fehlversuchen hält tatsächlich ein privater PKW an und nimmt uns mit. Es ist durchaus üblich, daß man per Anhalter aquiriert und die Menschen sind froh, sich nebenher etwas dazu verdienen zu können. Vorsicht: In jedem Falle im vorhinein den Preis aushandeln!
Auf den letzten Drücker können wir gerade noch einchecken, drängeln uns bei der Passkontrolle vor und besteigen als allerletzte Insassen das Flugzeug. Boah! Ich bin heilfroh, daß wir das Flugzeug noch erreichen! Als wir in unserer Maschine des Fluges SU 115 in Richtung Berlin sitzen, denke ich mir "jetzt können wir nur noch abstürzen, sonst kann nichts mehr passieren!".
In Berlin angekommen, weiß ich heimischen Boden unter den Füssen wieder sehr zu schätzen. Das bestellte Taxi ist da aber verfährt sich noch und wir kommen erst deutlich verspätet am Zielort an. Als ich endlich im Bett liege, schlafe ich unmittelbar danach ein!
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Fortsetzung (Nachbetrachtung), bitte HIER klicken!
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Einen Tag zurück (7. Tag), bitte HIER klicken!
Heute ist wieder Abreise. Es geht über Moskau wieder zurück nach Deutschland.
Das Taxi ist auf 10:00 Uhr bestellt. Veronika will unbedingt noch für eine Stunde auf den Basar. Ich streike! Die Hektik tue ich mir beim besten Willen nicht an. Sie bittet mich, ihre Sachen in ihrem Zimmer zusammen zu räumen und in ihrem Koffer zu verfrachten, damit sie den Basar noch zeitlich schafft und bis 10:00 Uhr wieder am Hotel zur Abfahrt ist. Mir bleibt nichts anderes übrig, da sie einfach verschwindet und ihre Sachen schlicht nicht gepackt sind. Ich beschliesse, pünktlich mit dem Taxi zum Flughafen aufzubrechen und hoffe, daß sie bis dahin wieder im Hotel ist. Zweifel bleiben, bis ich sie eine Minute vor der Taxi-Abfahrt wieder im Hotel eintreffen sehe. Glück gehabt.
Für das Taxi bis zum Flughafen in Mineralnyje Wody zahlen wir nunmehr 300 Rubel - gerade mal halbsoviel wie auf der Hinfahrt.
Die Passkontrolle am Flughafen verläuft Gott sei Dank ohne weitere Vorkommnisse. Bald sitzen wir im Flugzeug in Richtung Moskau. Ich denke an die schöne Woche im Kaukasus zurück.
In Moskau haben wir nun noch einen Zwischenaufenthalt von 7 Stunden. Wir beschliessen, die Zeit nicht am Flughafen zu vergeuden, sondern nochmal in die Moskauer City zu fahren, um dort noch eine Schifffahrt auf der Moskva zu unternehmen.
Leider müssen wir dort angekommen feststellen, daß heute keine Schifffahrt mehr stattfindet. Schade! Wir essen noch einen Bliny und später zum Abschluß nochmals in unserem Lieblingslokal "Muh Muh".
Trotz eigentlich ausreichend zeitlichem Puffer bekomme ich auf den letzten Drücker nochmals einen gehörigen Adrenalin-Schub versetzt. Der Bus, den wir zurück zum Flughafen nehmen, fährt länger als erwartet und die Ankunftszeit ist dermassen knapp geworden, daß wir fast den spätesten Eincheck-Termin zu verpassen drohen. Nachdem sich Veronika im Bus erkundigt hat, springt sie spontan bei der nächsten Haltestelle aus dem Bus. Ich kann garnicht so schnell schauen, schnappe ebenfalls meine Sachen und wir stehen einige Sekunden später in völliger Dunkelheit am Rande einer autobahnähnlichen Schnellstraße. Unser Bus ist weg und wir haben nur noch 20 Minuten bis zum Einchecken. Klasse! Ich fühle mich wie in einem schlechten Film. Darf das wahr sein? Per Anhalter möchte Veronika die Zeit wett machen und hofft darauf, noch rechtzeitig irgendwie zum Flughafen zu kommen.
Nach einigen Fehlversuchen hält tatsächlich ein privater PKW an und nimmt uns mit. Es ist durchaus üblich, daß man per Anhalter aquiriert und die Menschen sind froh, sich nebenher etwas dazu verdienen zu können. Vorsicht: In jedem Falle im vorhinein den Preis aushandeln!
Auf den letzten Drücker können wir gerade noch einchecken, drängeln uns bei der Passkontrolle vor und besteigen als allerletzte Insassen das Flugzeug. Boah! Ich bin heilfroh, daß wir das Flugzeug noch erreichen! Als wir in unserer Maschine des Fluges SU 115 in Richtung Berlin sitzen, denke ich mir "jetzt können wir nur noch abstürzen, sonst kann nichts mehr passieren!".
In Berlin angekommen, weiß ich heimischen Boden unter den Füssen wieder sehr zu schätzen. Das bestellte Taxi ist da aber verfährt sich noch und wir kommen erst deutlich verspätet am Zielort an. Als ich endlich im Bett liege, schlafe ich unmittelbar danach ein!
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Labels:
2008,
Mineralnyje Wody,
Moskau,
Pjatigorsk,
Russland
Standort:
Moskau, Russland
Dienstag, 30. September 2008
Abenteuer Russland - 4. Tag
Dienstag, der 30. September 2008:
Wir verlassen zeitig unsere Unterkunft. Heute geht es endlich weiter nach Südrussland. Als Dankeschön und Abschiedsgeschenk stellen wir unserer "Hausdame" Larissa noch ein Souvenir vom Schwarzwald vor die Tür: Kirschwasser, Schwarzwälder-Schinken und einen original Tannenzweig einer Schwarzwälder Fichte.
Per U-Bahn und per Überlandbus geht es in Richtung Flughafen Moskau-Scheremetjewo.
Am Flughafen angekommen, würde ich gleich am eigenen Leib erfahren, was Korruption in Russland bedeutet. An den Flughäfen gibt es in der Regel eine Sicherheitskontrolle (mit Röntgen-Geräten) am Eingang, also beim Betreten des Gebäudes, sowie dann nochmals nach dem Einchecken. Bereits bei der ersten Kontrolle selektieren zwei Sicherheitsbeamte die Reisenden, ich vermute gezielt nach Touristen Ausschau haltend.
Als ich beim Ankleiden meiner Schuhe und meines Gürtels meinen deutschen Pass kurz ablege, ist für die Herren natürlich klar, daß ich Ausländer bin. Veronika, die einen russischen Pass hat, ist bereits durch die Kontrolle durch und läuft in Richtung Check-In. Ich werde auf Russisch angesprochen und verstehe natürlich garnichts. Verzweifelt rufe ich nach meinem "russischen Sprachrohr" - sie hört mich erst nicht, was offensichtlich zur Erheiterung der Grenzer beiträgt. Ich werde nervös. Nachdem ich drei Mal durch den ganzen Flughafen gebrüllt habe, kommt Veronika zurück. Die beiden Grenzer sind zwischenzeitlich von ihrem Vorgesetzten abgelöst worden.
Es gibt offensichtlich Probleme mit dem in russischer Sprache ausgefüllten Formular, auf welchem alle Reiseziele der Reise einzutragen sind. Das Reisebüro hatte hier offenbar schlampig gearbeitet; es ist jedenfalls nur Moskau dort eingetragen und nicht unser südrussisches Ziel. Komischerweise beanstandet der Zöllner nicht, daß ich mich bisher noch nicht habe registrieren lassen, obwohl bereits der vierte Tag in Russland angebrochen ist und das ja nun bis spätestens zum dritten Tag zu erfolgen hat.
Unsere Koffer dürfen wir zwischenzeitlich aufgrund des baldigen Abfluges einchecken. Er schaut auf die Uhr und weiß genau, daß er uns noch mindestens 15 Minuten hier festhalten kann, was er auch tut. Seine erste Frage ist sinngemäß "Wollen wir gesetzlich oder ungesetzlich vorgehen?", also mit anderen Worten "Soll ich Euch Probleme machen oder bestecht ihr mich?".
Der schmierige, kleine, fette Gnom von Zollmensch gibt uns den "guten Rat", das beanstandete Dokument in Zukunft einfach nicht mehr unaufgefordert vorzuzeigen, damit der Fehler nicht auffällt! Soooo wichtig scheint also das Dokument dann auch wieder nicht zu sein...
Veronika fragt mich, ob ich mich für den "gut gemeinten Ratschlag" nicht erkenntlich zeigen möchte; ich fuchtele sowieso schon die ganze Zeit mit meinem Portemonnaie rum, um den Gnom milde zu stimmen. Ich will ihm was geben, aber er lehnt ab - doch nicht in der Öffentlichkeit! Bestechung ist nämlich auch in Russland offiziell verboten! Plötzlich sagt mir Veronika, ich solle dem Zöllner folgen - wir gehen in eine blickdichte Kabine, wo wir ungestört sind. Ich überlege mir in diesem Moment, daß er so ziemlich alles mit mir machen könnte. Bevor ich diesen Gedanken vertiefen kann, sagt der Typ auf Russisch etwas zu mir. Ich weiß nicht, was er sagt, jedenfalls gebe ich ihm meine 1.000 Rubel (= knapp 50 €), was circa einem Drittel seines monatlichen Gehaltes entsprechen dürfte, was ich allerdings erst nachher erfahre. Ich verschwinde genauso schnell wieder aus der Kabine wie ich reingekommen bin und habe eine fast unbändige Wut im Bauch. Egal, ich bin froh, daß ich es hinter mir habe.
Immerhin habe ich uns schon vor meinem geistigen Auge mit der Deutschen Botschaft oder sonstigen staatlichen Institutionen telefonieren sehen, um die Weiterreise zu ermöglichen. Im nachhinein betrachtet war die ganze Aufregung vermutlich umsonst, aber da es für mich eine ungewohnte, fast schon bedrohliche Situation darstellte, war ich dementsprechend nervös. Ich hasse sowas!
Im Flugzeug der Aeroflot, während des Fluges mit der Nummer SU 785 in Richtung Mineralnyje Wody [Минеральные Воды] beruhige ich mich wieder ein wenig. Dort sitzt ein reicher Russe neben uns, dem Veronika von unseren Problemen eben erzählt. Er unterstützt uns bei der Grenzkontrolle, als wir in Mineralnyje Wody ankommen. Klare Ansage der beiden an mich: Direkten Blickkontakt mit den Grenzern vermeiden, nicht sprechen und möglichst gelassen und cool sein. Wir kommen ohne Kontrolle aus dem Flughafengebäude obwohl die Grenzer wie Raubtiere um die ankommenden Fluggäste schleichen.
Unser neuer "russischer Freund" besorgt uns allen ein Taxi, denn er möchte ebenso wie wir nach Pjatigorsk und schlägt daher vor, daß wir gemeinsam fahren könnten. Dafür sind wir dankbar. Wir teilen uns die Kosten von 600 Rubel. (Auf der Rückfahrt sollten wir erfahren, daß uns jene Taxifahrt dann nur 300 Rubel kosten sollte. Ob uns also bei der Hinfahrt der Russe oder aber der Taxifahrer uns alle über's Ohr gehauen hat, wird ein ewiges Geheimnis bleiben.)
Die Fahrt nach Pjatigorsk ist sehr interessant. Erste Eindrücke vom eher ländlich geprägten Südrussland überfluten mich. Die Stadt Pjatigorsk [Пятигорск] ist mit ihren knapp 140.000 Einwohnern nach der Stadt Stavropol (nach der die Region benannt ist) die zweitgrößte Stadt in der Region Stavropol.
Ich bin gespannt, wie das Hotel hier ist, aber ich bin ganz guter Dinge, denn es wurde in einigen Reiseberichten, die ich vorab gelesen hatte, wärmstens empfohlen. Angekommen im Hotel "Intourist" bin ich höchst besänftigt: Es ist ein sehr modernes Haus und unsere Zimmer sind gerade frisch renoviert worden, sodaß wir die ersten Gäste in den neuen Zimmern sind. Es gibt fliessendes und warmes Wasser, was hier nicht selbstverständlich ist. Dazu später mehr.
Meine längst überfällige, amtliche Registrierung scheint wieder ein Problem zu werden. Da ich mich innerhalb der ersten drei Tage registrieren lassen muß und wir heute bereits den vierten Tag des Russland-Aufenthaltes haben, sei eine Registrierung durch das Hotel nicht möglich. Ich kotze fast. Nach einigen Überredungskünsten durch Veronika sind die Mädels an der Rezeption dann doch bereit, die Formalitäten für mich zu erledigen. Uff!
Nach der Inspektion der Zimmer erkunden wir die Umgebung. Wir wandern durch die Stadt und erklimmen den nächstgelegenen Berg. Sehr spannend alles und sehr viele Eindrücke! Schaut Euch einfach die Fotos an!
Insgesamt ist Pjatigorsk ein Kurort mit vielen Heilquellen und heissen Mineralwässern. Die Stadt hat eine Art von "Ostalgie"-Charme, der sie für mich sympathisch macht. Die Menschen sind offen und freundlich und sehr neugierig auf Fremde, die hier offensichtlich nicht so oft auftauchen. Vermutlich bin ich eher einer der seltenen westlichen Gäste.
Abends suchen wir ein Restaurant auf, in dem gerade eine Hochzeitsfeier stattfindet. Wir dürfen uns an einen Nebentisch setzen und erleben so eine typische russisch-kaukasische Hochzeit, was ein ganz besonderes Event darstellt. Die Russen und auch die Kaukasier tanzen sehr gerne - auch die Männer! Ich lerne, die russische Musik von der kaukasischen zu unterscheiden. Die kaukasische Musik hört sich für mich als Laie ein bisschen in Richtung türkischer Musik an; dies verwundert ja auch nicht, denn die Türkei ist nicht so weit entfernt.
Sehr angenehm finde ich, daß in vielen der besseren Restaurants Livemusik gespielt wird. In der Regel wird dann ein Musikaufschlag berechnet. Diese Kröte schluckt man aber gerne, da die Qualität der Musiker, insbesondere der Sänger, oftmals wirklich erstklassig ist.
Da ich keine russischen Speisekarten lesen kann, bestellt Veronika immer eine Auswahl von Speisen. Sie hat dabei ein ausgesprochen gutes Händchen, denn ich bin von der russischen Küche mehr als begeistert.
Und noch eine Bemerkung: Da angeblich die Wasserleitungen in der Stadt "auf den Winter vorbereitet" werden, gibt es vielerorts kein Frischwasser; in der Regel steht in dieser Zeit in den Hotels und Restaurants nur ein Eimer mit Wasser und eine Schöpfkelle zur Verfügung. Die Toiletten werden nicht gespült. Daß wir im Hotel permanent Frischwasser und Warmwasser haben, ist der Tatsache zu verdanken, daß das Hotel einen Frischwasser-Tank im Keller hat und soweit möglich die Warmwasser-Aufbereitung gewährleistet. Übrigens ein Indiz für den "gehobenen Standard" der Unterkunft.
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Alle Fotos dieses Tages gibt's hier (bitte auf das Foto klicken):
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Fortsetzung (5. Tag), bitte HIER klicken!
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Wir verlassen zeitig unsere Unterkunft. Heute geht es endlich weiter nach Südrussland. Als Dankeschön und Abschiedsgeschenk stellen wir unserer "Hausdame" Larissa noch ein Souvenir vom Schwarzwald vor die Tür: Kirschwasser, Schwarzwälder-Schinken und einen original Tannenzweig einer Schwarzwälder Fichte.
Per U-Bahn und per Überlandbus geht es in Richtung Flughafen Moskau-Scheremetjewo.
Am Flughafen angekommen, würde ich gleich am eigenen Leib erfahren, was Korruption in Russland bedeutet. An den Flughäfen gibt es in der Regel eine Sicherheitskontrolle (mit Röntgen-Geräten) am Eingang, also beim Betreten des Gebäudes, sowie dann nochmals nach dem Einchecken. Bereits bei der ersten Kontrolle selektieren zwei Sicherheitsbeamte die Reisenden, ich vermute gezielt nach Touristen Ausschau haltend.
Als ich beim Ankleiden meiner Schuhe und meines Gürtels meinen deutschen Pass kurz ablege, ist für die Herren natürlich klar, daß ich Ausländer bin. Veronika, die einen russischen Pass hat, ist bereits durch die Kontrolle durch und läuft in Richtung Check-In. Ich werde auf Russisch angesprochen und verstehe natürlich garnichts. Verzweifelt rufe ich nach meinem "russischen Sprachrohr" - sie hört mich erst nicht, was offensichtlich zur Erheiterung der Grenzer beiträgt. Ich werde nervös. Nachdem ich drei Mal durch den ganzen Flughafen gebrüllt habe, kommt Veronika zurück. Die beiden Grenzer sind zwischenzeitlich von ihrem Vorgesetzten abgelöst worden.
Es gibt offensichtlich Probleme mit dem in russischer Sprache ausgefüllten Formular, auf welchem alle Reiseziele der Reise einzutragen sind. Das Reisebüro hatte hier offenbar schlampig gearbeitet; es ist jedenfalls nur Moskau dort eingetragen und nicht unser südrussisches Ziel. Komischerweise beanstandet der Zöllner nicht, daß ich mich bisher noch nicht habe registrieren lassen, obwohl bereits der vierte Tag in Russland angebrochen ist und das ja nun bis spätestens zum dritten Tag zu erfolgen hat.
Unsere Koffer dürfen wir zwischenzeitlich aufgrund des baldigen Abfluges einchecken. Er schaut auf die Uhr und weiß genau, daß er uns noch mindestens 15 Minuten hier festhalten kann, was er auch tut. Seine erste Frage ist sinngemäß "Wollen wir gesetzlich oder ungesetzlich vorgehen?", also mit anderen Worten "Soll ich Euch Probleme machen oder bestecht ihr mich?".
Der schmierige, kleine, fette Gnom von Zollmensch gibt uns den "guten Rat", das beanstandete Dokument in Zukunft einfach nicht mehr unaufgefordert vorzuzeigen, damit der Fehler nicht auffällt! Soooo wichtig scheint also das Dokument dann auch wieder nicht zu sein...
Veronika fragt mich, ob ich mich für den "gut gemeinten Ratschlag" nicht erkenntlich zeigen möchte; ich fuchtele sowieso schon die ganze Zeit mit meinem Portemonnaie rum, um den Gnom milde zu stimmen. Ich will ihm was geben, aber er lehnt ab - doch nicht in der Öffentlichkeit! Bestechung ist nämlich auch in Russland offiziell verboten! Plötzlich sagt mir Veronika, ich solle dem Zöllner folgen - wir gehen in eine blickdichte Kabine, wo wir ungestört sind. Ich überlege mir in diesem Moment, daß er so ziemlich alles mit mir machen könnte. Bevor ich diesen Gedanken vertiefen kann, sagt der Typ auf Russisch etwas zu mir. Ich weiß nicht, was er sagt, jedenfalls gebe ich ihm meine 1.000 Rubel (= knapp 50 €), was circa einem Drittel seines monatlichen Gehaltes entsprechen dürfte, was ich allerdings erst nachher erfahre. Ich verschwinde genauso schnell wieder aus der Kabine wie ich reingekommen bin und habe eine fast unbändige Wut im Bauch. Egal, ich bin froh, daß ich es hinter mir habe.
Immerhin habe ich uns schon vor meinem geistigen Auge mit der Deutschen Botschaft oder sonstigen staatlichen Institutionen telefonieren sehen, um die Weiterreise zu ermöglichen. Im nachhinein betrachtet war die ganze Aufregung vermutlich umsonst, aber da es für mich eine ungewohnte, fast schon bedrohliche Situation darstellte, war ich dementsprechend nervös. Ich hasse sowas!
Im Flugzeug der Aeroflot, während des Fluges mit der Nummer SU 785 in Richtung Mineralnyje Wody [Минеральные Воды] beruhige ich mich wieder ein wenig. Dort sitzt ein reicher Russe neben uns, dem Veronika von unseren Problemen eben erzählt. Er unterstützt uns bei der Grenzkontrolle, als wir in Mineralnyje Wody ankommen. Klare Ansage der beiden an mich: Direkten Blickkontakt mit den Grenzern vermeiden, nicht sprechen und möglichst gelassen und cool sein. Wir kommen ohne Kontrolle aus dem Flughafengebäude obwohl die Grenzer wie Raubtiere um die ankommenden Fluggäste schleichen.
Unser neuer "russischer Freund" besorgt uns allen ein Taxi, denn er möchte ebenso wie wir nach Pjatigorsk und schlägt daher vor, daß wir gemeinsam fahren könnten. Dafür sind wir dankbar. Wir teilen uns die Kosten von 600 Rubel. (Auf der Rückfahrt sollten wir erfahren, daß uns jene Taxifahrt dann nur 300 Rubel kosten sollte. Ob uns also bei der Hinfahrt der Russe oder aber der Taxifahrer uns alle über's Ohr gehauen hat, wird ein ewiges Geheimnis bleiben.)Die Fahrt nach Pjatigorsk ist sehr interessant. Erste Eindrücke vom eher ländlich geprägten Südrussland überfluten mich. Die Stadt Pjatigorsk [Пятигорск] ist mit ihren knapp 140.000 Einwohnern nach der Stadt Stavropol (nach der die Region benannt ist) die zweitgrößte Stadt in der Region Stavropol.
Meine längst überfällige, amtliche Registrierung scheint wieder ein Problem zu werden. Da ich mich innerhalb der ersten drei Tage registrieren lassen muß und wir heute bereits den vierten Tag des Russland-Aufenthaltes haben, sei eine Registrierung durch das Hotel nicht möglich. Ich kotze fast. Nach einigen Überredungskünsten durch Veronika sind die Mädels an der Rezeption dann doch bereit, die Formalitäten für mich zu erledigen. Uff!
Nach der Inspektion der Zimmer erkunden wir die Umgebung. Wir wandern durch die Stadt und erklimmen den nächstgelegenen Berg. Sehr spannend alles und sehr viele Eindrücke! Schaut Euch einfach die Fotos an!
Insgesamt ist Pjatigorsk ein Kurort mit vielen Heilquellen und heissen Mineralwässern. Die Stadt hat eine Art von "Ostalgie"-Charme, der sie für mich sympathisch macht. Die Menschen sind offen und freundlich und sehr neugierig auf Fremde, die hier offensichtlich nicht so oft auftauchen. Vermutlich bin ich eher einer der seltenen westlichen Gäste.
Abends suchen wir ein Restaurant auf, in dem gerade eine Hochzeitsfeier stattfindet. Wir dürfen uns an einen Nebentisch setzen und erleben so eine typische russisch-kaukasische Hochzeit, was ein ganz besonderes Event darstellt. Die Russen und auch die Kaukasier tanzen sehr gerne - auch die Männer! Ich lerne, die russische Musik von der kaukasischen zu unterscheiden. Die kaukasische Musik hört sich für mich als Laie ein bisschen in Richtung türkischer Musik an; dies verwundert ja auch nicht, denn die Türkei ist nicht so weit entfernt.Sehr angenehm finde ich, daß in vielen der besseren Restaurants Livemusik gespielt wird. In der Regel wird dann ein Musikaufschlag berechnet. Diese Kröte schluckt man aber gerne, da die Qualität der Musiker, insbesondere der Sänger, oftmals wirklich erstklassig ist.
Da ich keine russischen Speisekarten lesen kann, bestellt Veronika immer eine Auswahl von Speisen. Sie hat dabei ein ausgesprochen gutes Händchen, denn ich bin von der russischen Küche mehr als begeistert.
Und noch eine Bemerkung: Da angeblich die Wasserleitungen in der Stadt "auf den Winter vorbereitet" werden, gibt es vielerorts kein Frischwasser; in der Regel steht in dieser Zeit in den Hotels und Restaurants nur ein Eimer mit Wasser und eine Schöpfkelle zur Verfügung. Die Toiletten werden nicht gespült. Daß wir im Hotel permanent Frischwasser und Warmwasser haben, ist der Tatsache zu verdanken, daß das Hotel einen Frischwasser-Tank im Keller hat und soweit möglich die Warmwasser-Aufbereitung gewährleistet. Übrigens ein Indiz für den "gehobenen Standard" der Unterkunft.
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Pjatigorsk, Region Stawropol, Russland
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